Praktische Philosophie sollte sich nicht darauf beschränken, dem Manager oder der Führungskraft vom grünen Tisch aus Vorschriften und Ratschläge zu erteilen. Die vielleicht wichtigste Frage nach dem Philosophischen Postulat, ist die Frage nach der praktischen Umsetzbarkeit einer Handlungsanweisung in der Realität eines Managers. Kwame Anthony Appiah, spricht von praktischer Philosophie als Philosophie für die Praxis. Appiah lehrt Philosophie in Princeton und gilt als einer der wichtigsten Moralphilosophen der Gegenwart. Appiah geht davon aus, dass der Telos, also das Ziel des Handelns, in unserem Fall das moralisch richtigen Handelns als Führungskraft und Manager darin besteht als Ziel, den Zustand der Eudaimonia, also des Glücks zu erreichen. Praktische Philosophie im ursprünglichen Sinne, beschäftigt sich oftmals mit den kritischen Fragen der Führung, hier nimmt die praktische Philosophie oftmals den Rahmen einer klinischen Intervention ein. Um praktisch philosophische Fragestellungen in den Alltag zu implementieren, bedarf es nach Appiah, der Hilfe der “Moral Sciences”. Angefangen von der Psychologie, bis hin zur Anthropologie und Ökonomie, sind vielfältige Anstrengungen notwendig, um einen Handlungsentwurf in der Realität zu verankern. Eine wichtige Bedingung der Realisierbarkeit einer theoretischen Ethik, ist das Wissen um die Grenzen des menschlichen Verhaltens. Der Mensch ist im Verhalten geprägt in der Begrenztheit des Wissens über das eigene Entscheidungsverhalten. Durch die Evolution hat der Mensch Verhalten hervorgebracht, das wir zumeist in der Gesellschaft akzeptieren. Wenn wir die Auslöser für dieses Verhalten finden, können wir dafür sorgen, dass dieses Verhalten häufiger auftritt. Bei der Analyse der Schwierigkeiten im menschlichen Verhalten, können wir störende Verhaltensmuster, etwa im Management, der Entscheidung oder in der Führungspraxis dagegen neutralisieren und im günsigsten Fall, durch geeignete Handlungsalternativen ersetzen. Appiah spricht sich damit für eine interdisziplinarität der Professionen aus, die Erkenntnisse aus der Neurologie und dem Neuroleadership ebenso verwendet, wie evolutionsbiologische Erkenntnisse. Appiahs Ausführungen, zeigen jedoch auch eindringlich, dass eine moralische Philosophie, die nicht durch eine politische Philosophie unterstützt wird, ins leere geht. Konkret bedeutet dies etwa für die Führungspraxis, das eine moralisches Verhalten im Management nur dann möglich ist, wenn die Anreizstrukturen und Randbedingungen die Möglichkeiten zum moralischen Handeln zu lassen. Diese Herausforderung stellt sich für ein Unternehmen im Umgang mit seinen Mitarbeitern jeden Tag aufs neue. Die praktische Philosophie, in der Wirtschaft im Management, der Personalführung, sowie in der Führung, kann dabei kontinuierliche Denkimpulse für das eigene Verhalten geben, bevor man sich als Führungskraft und Manager, vor den Fragen eines Fehlverhaltens, oder einer Fehlentscheidung zu verantworten hat.


