Wie gut verstehen deutsche Führungskräfte den chinesischen Markt?

Mai 6th, 2010 · 11:07 pm @ Dr. Thomas Frank  -  Keine Kommentare

Vor einigen Tagen stieß ich im Klappentext eines aktuellen Buchtitels zum Thema China auf
folgende Textpassage ….. in 30 Jahren vom Entwicklungsland, zur neuen Supermacht,
worauf beruht der rasante Aufstieg Chinas ….
Der Klappentext beschreibt im Grunde genommen bereits die große Herausforderung, der sich
die deutsche Gesellschaft als Ganzes, jedoch im Besonderen deutsche Führungskräfte in der
Zusammenarbeit mit Chinesen als Vertreter  Exportnation stellen muessen, wenn sie dauerhaft in
Asien und speziell auf dem chinesischen Markt Erfolg haben wollen.
Erste Schritte in diese Richtung  wurden mit der Ernennung Mei Wei Chengs getan, der als neuer
Chef von Siemens das China Geschäft  leiten soll.

Aber betrachten wir die Aspekte Schritt für Schritt. Bei der Betrachtung der Ausgangsursache
wird oft verkannt, dass es sich bei China nicht um eine Industrienation handelt, die sich seit 30
Jahren auf dem Vormarsch befindet, sondern um eine Kulturnation mit einer über 5000
jährigen Geschichte. Noch wichtiger als die unterschiedliche Geschichte, scheint jedoch zu sein,
dass in in China ein für den westlichen Kulturkreis vollkommen anderes Denk .-und
Wertekostüm entwickelt wurde. Dieses ist geprägt durch Konfuzianismus, Taoismus und
Buddhismus,  sowie Reste der knapp 100 Jahre andauernden sozialistischen Regierungsprägung.
Für westliche Betrachter muten viele Bräuche, Handlungen und Verhaltensweisen oftmals
befremdlich an; die ohne tiefere Beschäftigung kaum zu verstehen und nachvollziehbar sind.

So zeigt sich etwa bei der Betrachtung der Begriffe Demokratie/ Harmonie / Disziplin / und
Leistung°  eine vollkommen andere Wahrnehmung, Sichtweise und Betrachtungsweise, als bei
der Bewertung durch den Westen. Zusatzlich ist zu empfehlen, bei der Betrachtung Chinas, den
Aspekt der Geschichte  nicht zu vernachlässigen. Der Boxeraufstand, die Opiumkonflikte mit
England, sowie die damit einhergehende erzwungene Öffnung der chinesischen Maerkte, wie
etwa Hong Kong und die gesellschaftliche Demütigung Chinas, sind vielen Chinesen,
geschichtlich präsent und prägen das Denken vor allem von jungen gut ausgebildeten Chinesen
auch heute. Die an dieser Stelle kurz aufgeführten Aspekte, sollen die Komplexität eines
Führungsansatzes in der chinesischen Kultur verdeutlichen und einladen, sich intensiver mit der
chinesischen, wie jedoch auch mit den Kulturen anderer Schwellenländer der BRIC Staaten,
wie etwa Brasilien, Indien und Russland, auseinanderzusetzen. Wir möchten Ihnen mit unserer
regelmaßig erscheinenden Kolumne zum Thema interkulturelle Führungsethik den Blick für
einen nachhaltigen Führungserfolg eröffnen.

Demokratie
Demokratie ist für Chinesen ein Fernziel. Allgemein findet in China die Theorie Rückhalt, dass
ein so großes Land wie China zum aktuellen Zeitpunkt nicht in der Lage ist, nach
Demokratischen Strukturen geführt zu werden. Zudem ist unterschwellig immer die Skepsis vor
Manipulation durch andere Staaten zu erkennen, die China so nicht zulassen wil,l um die
„Harmonie“ des Volkes nicht zu zerstören, die den Wohlstand für alle zum obersten Ziel erklärt.
Tendenzen wie etwa Tibet, Taiwan, oder das Blutvergießen auf dem Platz des himmlischen
Friedens, werden demnach von vielen Chinesen nicht befürwortet, jedoch akzeptiert, da nach
allgemeiner Meinung dies ein gegenseite Auslöser einer Unharmonischen Situation ist, die der Staat
mit allen Mittel wieder herzustellen hat.

Harmonie
Die chinesische Gesellschaft lebt in der Harmonie zwischen Mensch und Natur. Die kanadische
Religionswissenschaftlerin Julia Ching drückt es so aus, Chinesen lieben die Harmonie zwischen
den Menschen und der Natur, es ist daher normal, dass Chinesen versuchen, Konflikte zu
entschärfen, keine offenen Konflikte zu suchen, wenn auch dies nicht heißen soll, dass es keine
Konflikte gäbe, diese werden jedoch so schnell wie möglich versucht in „Harmonie“
überzuleiten. Für die westliche Mentalität ist dieses denken oftmals fremd, so verwechselten
etwa die USA im Vietnam Krieg, die asiatische Freundlichkeit mit mangelndem
Durchsetzungswillen.

Disziplin
Disziplin ist in der Gesellschaft eine hohes Gut, das einerseits für Harmonie sorgt und von daher
in besonderen Aktivitäten wie etwa den asiatischen Kampfkünsten (KungFu) gelernt und geübt
wird. Jedoch auch im heutigen Arbeitsleben spielt Disziplin in der Gesellschaft eine große
Rolle, dies geht von der Akzeptanz für eine weit von der Familie liegende berufliche Tätigkeit,
bis sich in große Menschenmassen unterzuordnen und seinen Beitrag zum Wohle der
Allgemeinheit zu leisten.

Leistung
Leistung zählt in China sehr viel, das streben nach Wohlstand zieht sich durch alle Schichten und
wird auch offen kommuniziert, etwa mit der „winkenden Katze“, die in vielen Geschäften für
reichlich Geschäft sorgen soll. Zeitweise treiben die Chinesen diese Aktivität zu weit, was zu
regelmäßigen Korruptionsfällen sorgt, die wiederrum von der Regierung hart sanktioniert
werden. Der unbedingte Wille, Leistung zu erbringen, ist wahrscheinlich auch ein Grund, dass
Chinesen in Immigrationssituationen, also als Einwanderer, etwa in Deutschland, Kanada, oder
den USA, prozentual bezüglich der gesamten chinesisch stämmigen Bevölkerung vor Ort,
immer einen großen Teil an (Klein) Unternehmern stellen, sowie großen Wert auf eine gute und
profunde Bildung Ihrer Kinder legen.

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